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„Du traust dich ohne Geld nicht vor die Tür“

Veröffentlicht am 05.12.2018
in Ludwigsburger Kreiszeitung

„Du traust dich ohne Geld nicht vor die Tür“

„Wir können uns das nicht leisten.“ Diesen
Satz muss Judith N. (Name geändert)
ihren vier Kindern im Alter von 19, 16,
zwölf und zwei Jahren oft sagen. „Ich kann
meinen Kindern oft nicht das bieten, was
sie haben wollen“, sagt die 41-Jährige. Die
Familie aus Kornwestheim lebt derzeit von
Arbeitslosengeld. Über ihre
Lebenssituation hat die Mutter
jetzt bei einem Pressegespräch
der Vesperkirche berichtet.
Am Ende vom Monat
bleibt nicht viel übrig. Und
das bisschen muss gespart
werden, falls mal die Waschmaschine
kaputt geht oder ein
Fahrrad, sagt Judith N.. Alles
wird genau durchgerechnet. Freizeitaktivitäten
kann sich die Familie da nicht leisten.
„Wenn wir zu sechst ins Kino gehen
würden, kostet das 30 Euro. Popcorn 20
Euro.“ Geld, das die Familie nicht übrig
hat. Auch auf andere Dinge müssen sie
verzichten. „Meine Tochter wollte unbedingt
in die Kürbisausstellung im Blüba.
Aber wir konnten nicht hin“, erzählt sie
mit trauriger Stimme. „Ich kann den Querflötenunterricht
meiner Tochter nicht
mehr zahlen. Früher waren die Kinder im
Musik- und im Sportverein. Das geht jetzt
nicht mehr.“ Wenn ein Schulausflug ansteht,
müssen Judith N. und ihr Mann genau
rechnen.
Die 41-Jährige erinnert sich daran, dass
sie selbst in einer finanziell nicht einfachen
Situation aufwuchs. Sie konnte damals
keine Bankkauffrau-Ausbildung antreten,
weil ihre Mutter kein Geld für Anzüge
übrig hatte. „Es ging deshalb nicht.
Ich hätte ja nicht eine Woche lang den
gleichen Anzug tragen können“, sagt sie.
„Meine Kinder wissen, dass wir arm sind.
Sie schämen sich nicht“, erzählt die Kornwestheimerin
weiter. Die Familie lebt auf
89 Quadratmetern. „Wir sind keine
schlechten Menschen. Es ist nicht immer
ein freiwilliges Ding, in so einer Situation
zu sein.“ Ihr Mann war Busfahrer und fiel
krankheitsbedingt immer wieder aus. Vor
einem Jahr ist er wegen der Krankheit arbeitslos
geworden. Die Situation sei nicht
leicht. „Für unsere Region, in
der wir leben, ist es nicht
schön, wenn du kein Geld
hast. Du kannst am Sozialleben
nicht teilnehmen. Du
traust dich ohne Geld nicht
vor die Tür“, sagt die Mutter.

 

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